Zuerst steht die Frage: Wozu noch ein Buch über Norwegen?
Bevor wir losfuhren, suchten wir Norwegen-Literatur. Wir wollten informiert sein und Ziele haben und wir fanden das Edelste, aber eine Vorstellung, wie der Normaltourist mit begrenztem Budget eine Norwegenfahrt auf eigenen bescheidenen Rädern erlebt, was geht und wie es sein wird, bekamen wir damit nicht. So wuchs auf der Fahrt mit den gesammelten Eindrücken und zunehmendem Bildbestand die Idee, „das Normale“ selbst mit Bild und Text auf Papier zu bringen.
Es entstanden 18 Kapitel auf 176 Seiten mit 296 ausgewählten Bildern.
Sie führen den Leser aus der Vorbereitungsphase in Dresden nach Hirtshals am Nordende Dänemarks über den Skagerrak nach Kristiansand und von da zum Südkap, nach Stavanger und Bergen. Weiter geht es zum Jostedalsbreen, einem großen Plateaugletscher, in den Geiranger-Fjord, an der Schärenküste nach Trondheim und über die Skanden, die bei Trondheim nicht spektakulär sind, zur Ostseeküste nach Sundsvall. Von dort beginnt die Rückfahrt über Västerås, Ørebro, Jönköping, Helsingborg, Kopenhagen, Køge und Puttgarten letztlich nach Dresden. Das sind mit Abstechern und navigatorischen Irrtümern rund 5000km in 18 Tagen voller Erlebnisse.
Buch als CD
Die Idee brachte die Buchmesse Frankfurt mit einem Lesegerät für digitale Bücher. Natürlich brauche ich so ein Lesegerät nicht, wenn ich schon einen Laptop habe, aber dennoch... Also kommt das Buch als PDF auf CD, wer will, kann es dann auch ausdrucken. Den zum Öffnen des PDFs benötigten Adobe Reader können sie hier herunterladen.
Wie man es bekommt? Schreiben Sie mir einfach eine Email oder einen Brief oder kontaktieren Sie mich über das Kontaktformular. Alle dazu nötigen Informationen finden sie unter Kontakt.
Leseprobe aus Kapitel 9
Zwischen Berg und dem See Lovatnet klemmt eine Gaststätte, Reiner schlägt vor, keine Mittagspause mit Kochkünsten einzuschieben, sondern dem Kneiper eine Wurst abzuschwatzen. Wir gehen hinein, ich nehme meinen Mut und meine ganzen Englischkenntnisse zusammen und frage: „Is a dog ok?“ Die Antwort ist bestimmt und freundlich: „No please:“ Das ist Standard in Norwegen. Der Hund darf mit an die Tische im Freien. Im Haus ist er tabu.
Wir sind allein in der Gaststube, das Wetter bremst offenbar selbst Norweger.
Weiter und weiter klettert der Bus die sehr schmale Straße hinauf. Reiner filmt und spricht Kommentarton dazu. „Hier kann man schneller als etwa „dreißig“ nicht fahren“, sagt er. Mir wird bewusst, ich bin bei „fünfzig“. Aber ich sitze auf der Bergseite und habe das Lenkrad. Er sitzt an der Kante und dort geht es wirklich hinunter.
Hin und wieder rumpelt es mächtig unter dem Bus, wenn er über die Tiersperren muss, die es den im Sommer traditionell frei grasenden Rindern, Schafen und Ziegen unmöglich machen, das Territorium des Bauern zu verlassen und so den Eigentümer zu wechseln.
Wieder und wieder kommen gigantische Wasserfälle in den Blick. In Trockengebieten wird das nicht begreifbar sein. Es ist ein unglaublicher Überfluss.
Die enge Straße bietet immer wieder Ausweichstellen und an dieser Stelle einen Rastplatz. Hier wird zugleich der Toten gedacht, die die Natur der Berge mit ihren Felsstürzen gefordert hat.
Weit oben finden wir eine Mautstelle, an der der Besitzer der Straße mit dem Hinweis eine Gebühr erhebt, dass er ohne staatliche Hilfe die Straße zum Gletscher für Gäste unterhält.
Blumen blühen überall in diesem Hochtal. Sind sie nun eine natürliche Population oder von Menschen gehegt, die ihre Heimat lieben?
Informationen, die faszinieren und bedrücken, auch in deutsch.
Vor 8000 bis 5000 Jahren soll der Jostedalsbreen völlig abgetaut gewesen sein. In der so genannten kleinen Eiszeit um 1750 dagegen hatten sich Norwegens Gletscher soweit in die Täler ausgebreitet, dass ihnen Ansiedlungen zum Opfer fielen.
Der See in majestätischer Ruhe.
Und dann liegt am Ende des Kjenndals der Jostedalsbreen vor uns. Bis hierher sind wir gefahren und nun werden wir zu Fuß weitergehen, um ganz an die Gletscherzunge zu kommen, die bis ins Tal zu reichen scheint.



